Die Fischspirale

Die Fischspirale

Immer oder fast immer gibt es in Comics Running Gags. Egal ob es Weihnachten ist, dass in den Geschichten einzieht und immer wieder in derselben Katastrophe endet oder immer dieselbe Figur sagt denselben Satz und dieselbe Handlung wiederholt sich, fast. Denn die Pointe ist die Variation. So wie in der Oper ein Thema von 8 Minuten dann über vier Stunden lang besungen wird, so haben Comics immer wiederkehrende Phrasen, die den Leser in sich hineinziehen. So will ich heute beginnen mit einen Comic, das auch schon oft verfilmt worden und wohl auch in jeder Geschichte vorkommt. Wir reden von Asterix und dem Fischproblem. Und im Dorf der Gallier gibt es immer Probleme. Denn das Dorf liegt am Meer und der Fischhändler holt seine Fische auch nicht aus dem Meer, sondern er kauft sie ein in Lutetia. Und schon ist zu sehen, wie jede Menge der modernen Zivilisation, auch Grexit und Ukraine wird hier parodiert, in den Bildern und Texten zu finden ist. Denn wo wird nicht am Stammtisch das Thema regionale Gemüseversorgung diskutiert? Und nun werden wir mal die Fischschlachten aufbohren, die seit Jahrzehnten Leserinnen und Leser aus der ganzen Welt begeistern und sogar den Wechsel vom Autorenteam verkraftet: Was ist im Fisch? Es gibt sogar eine Folge in der Asterix Reihe, wo ein Seher aus einem Fisch sogar die Zukunft voraussagt. Was sofort gekontert wird mit den Hinweis: Wenn die Fische schon ein paar Wochen tot sind und nun der Seher daraus liest, dann seien doch die News sicher auch schon veraltet. Fische reden nicht, deswegen werden sie geworfen. Das ist nicht nur die Logik der Gallier damals in ihren Geschichtchen gegen die Römer, schon wieder eine Anspielung, denn auch heute noch werden Kanonenkugeln geschleudert, statt miteinander zu reden. Und wie die Zeichner belegen, ist der Fisch ein ideales Schlagwerkzeug. Das ist alles? Nein, denn wenn wir uns die Fischschlachten anschauen, dann werden noch jede Menge Details zu Tage treten. Denn wie wird der Fisch geworfen, wie beginnt der Konflikt und was sagt die Ehefrau dazu. Denn auch die Frauen nehmen recht unterschiedlich an den Fischkämpfen teil. Mal wird darüber gespottet und mal sind die Frauen auch im Kampf dabei. Interessanterweise werden die Fische nie gegen die Römer eingesetzt, das hat auch wirtschaftliche Gründe. Schauen wir doch einfach mal in Band 15 der Serie: Streit um Asterix. Hier würdigt ein Bote Asterix, was nun den Chef Majestix trifft, aber seine Frau Gutemine ausrasten lässt. Er ist geknickt, sie zieht in den Kampf. So wird gezeigt, wie der Karikaturist die Ehe in Europa sieht. Denn das Image ist so wichtig, dass Gutemine als Frau vom Bürgermeister beim Einkaufen am nächsten Tag nicht bevorteilt wird. Und so fordern die Frauen vom Dorf Gutemine auf, sich in der Schlange beim Fischladen hinten anzustellen. Das spielt zwar keine Rolle, weil der Fisch sowieso schon wochenalt ist, aber es geht ja wie gesagt ums Image. Und so wie im echten Leben stellt sich Gutemine hin und sagt: „Ich bin die Schönste.“ Und der Fischverkäufer greift sich alle Fisch, er will den Laden leermachen, denn er weiß ja was kommen wird. Und fast schon werden Pediga und Legida parodiert, indem das Dorf dem Chef vorhält: „Ausländerproblematik.“ Und so kann die Moral im Text: „Aber meine Damen, bitte Ruhe“ nur als Aufforderung zum Fischkampf verstanden werden und wird es auch. Und als der ehemalige Chef seine Frau nach dem Menu fragt, hat er schon die Flossen im Gesicht, die Füße in der Fußbadewanne. Und ist es Zufall, dass in dieser Szene und auch oft und oft in den anderen Comic Geschichten, ruckzuck wechseln die Gallier von der Fischschlacht zu den Wildschweinen. Und Wildschweine diskutieren nicht, sie sind ein Symbol für Party, Fische dagegen sind wie im echten Leben, psychologisch gesehen, schweigende Machtkämpfer.