Review Marketing

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Kann man Bewertungen im Netz noch trauen?

Produktbewertungen im Internet sind auf dem Weg, eine eigene Währung zu werden. Denn nichts sieht so unattraktiv aus, wie ein Angebot ohne Käuferbewertungen, ein Buch ohne Rezensionen oder ein Restaurant ohne Google-Bewertungen auf der Landkarte. Das ganze Internet scheint einem wahren Bewertungsrausch verfallen zu sein, denn selbst Ärzte, Schulen und Handwerker bekommen überall und für alle sichtbare Sternchen – ob sie wollen oder nicht. Aber wieso sind wir alle so scharf darauf, Bewertungen zu lesen?

Was Reviews bewirken

Der neuste Trend im Online-Marketing nennt sich Neuro-Webdesign und verrät eigentlich nur, was wir schon immer wussten:
Der Mensch ist ein Herdentier. Ein Restaurant, in dem alle essen gehen, muss schließlich das gewisse Etwas haben und ein Buch, unter dem sich die Rezensionen tummeln, muss man mit Sicherheit gelesen haben, um mitreden zu können. Dabei ist die Anzahl der Sterne in den Bewertungen oft sogar weniger wichtig, als die Anzahl der Rezensionen selbst – da einzukaufen, wo alle einkaufen, suggeriert Sicherheit und Zugehörigkeit. Also bestellen wir das Planschbecken in dem Shop, der die meisten Bewertungen hat, nicht in dem Shop der genau dasselbe Planschbecken, vielleicht sogar günstiger, anbietet – einfach, weil die anderen es auch gemacht haben. Selbst, wer sich davon gar nicht beeinflussen lassen möchte, kann sich der Macht der gelben Sternchen nicht ganz entziehen.

Bewertungen sind ein Markt für sich geworden

mybusinessNatürlich wissen nicht nur Käufer, dass Rezensionen „die Wahrheit“ sprechen. Auch Händler und Shopbetreiber wissen, wo der Hase langläuft – nämlich dahin, wo die meisten Bewertungen sind. Und schon kann es passieren, dass Rezensionen eben nicht mehr die Wahrheit sprechen, denn Bewertungen kommen heute auf vielerlei Weise zustande. Schauen wir uns als Beispiel den Branchenriesen Amazon an. Selbst Kunden, die gar nicht dort einkaufen, wissen, dass Amazon den Online-Buchhandel fest im Griff hat. Nicht die Leser machen den Bestseller, sondern die Sichtbarkeit im Shop. Auch Verlage und Autoren wissen das. Und sie wissen ebenfalls, dass möglichst viele Reviews die Verkäufe lebhaft ankurbeln und ein Buch damit sichtbarer machen. Deswegen blüht inzwischen im Netz ein Tauschhandel, parallel zum eigentlichen
Buchmarkt. Es gibt spezielle Portale, auf denen sich Autoren und Rezensenten finden. Dort werden Bücher gegen Rezensionen „verschenkt“. Auch auf Social Media Portalen floriert dieser „Schwarzmarkt“. Und der Effekt ist absehbar: Wer etwas geschenkt bekommt, wird kaum einen öffentlichen Verriss schreiben. Der Mensch funktioniert eben so – bekommen wir etwas kostenlos, sind wir sofort positiv voreingenommen. Selbst professionelle Agenturen sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen und bieten Rezensionen an – natürlich gegen Bezahlung.

Wie kann man gefälschte Bewertungen von Echten unterscheiden?

mybusinessViele Produktbewertungen sind inzwischen genauso professionell geschrieben, wie die Produkttexte selbst. Es gibt aber einige Tricks, wie man falsche Bewertungen von Echten unterscheiden kann. Echte Kundenmeinungen wachsen organisch und treffen zeitlich verteilt auf Produktseiten ein. Weisen alle Bewertungen ungefähr das gleiche Datum auf, ist klar, dass es sich nicht um ehrliche Rezensionen handeln kann. Stehen auf einer neu eingepflegten Angebotsseite nach einem Tag mehrere Jubelbesprechungen, kann man davon ausgehen, dass der Verkäufer sich aktiv um Bewertungen bemüht hat. Bei Amazon kann man inzwischen sogar schon Bücher entdecken, die noch gar nicht erschienen sind und nur vorbestellt werden können, aber schon zahlreiche Rezensionen haben – logischerweise kann es sich dabei nicht um ehrliche Meinungen handeln.
Ein gutes Indiz ist auch der Schriftzug über einer Rezension, der aussagt ob es sich um einen verifizierten Kauf handelt. Fehlt dieser Hinweis auffallend oft, kann man davon ausgehen, dass der Verkäufer sich fleißig um „Kontakt zum Kunden“ bemüht hat.

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