Bring Me The Horizon – Sempiternal

Zweieinhalb Jahre haben sich die Briten von BRING ME THE HORIZON für den „There Is A Hell, Believe Me I’ve Seen It. There Is A
Heaven, Let’s Keep It A Secret.“-Nachfolger gelassen. Man warf vorher mit Begriffen wie Post Rock, MOGWAI, THRICE und dergleichen rum.
Für viele der jungen Fans der Metalcore-Truppe sollte dies eher ein Schock sein. Könnte es nun keine Breakdowns mehr geben? Dann verlässt Gitarrist Jona Weinhofen noch die Band vor den Aufnahmen und wird ersetzt von einem Keyboarder: WORSHIP-Mastermind Jordan Fish.

Schon der Opener ‚Can You Feel My Heart‘ zeigt von einer ganz neuen Seite. Die Keyboards sind ziemlich dominant und die Gitarren spielen eher eine untergewordnete und atmosphärische Rolle. Da hatten die bisherigen Opener von Oliver Sykes und Co mit Sicherheit mehr Pfeffer im Arsch. Dieser Eindruck bleibt auch bestehen.
‚Empire (Let Em Sing)‘, ‚Shadow Moses‘, ‚Crooked Young‘ und ‚Antivist‘ haben zwar ordentlich Pfiff und gehören zu den schnelleren und härteren Songs von „Sempiternal“, die restlichen Nummern aber bewegen sich im Midtempo.

Dafür entdeckt man ganz neue Seiten an der Band. ‚Sleepwalking‘ ist eine der besten Kompositionen der Band aus Sheffield. Hier perfektioniert das Quintett ihr neues Konzept. Keyboards und Atmosphäre, ein super Refrain und doch der ein oder andere härtere Moment. Auch in Songs wie ‚And The Snakes Start To Sing‘ oder ‚Seen It All Before‘ nehmen BRING ME THE HORIZON die Härte fast komplett heraus und konzentrieren sich nur noch darauf gute Songs zu schreiben. Dies gelingt ihnen erstaunlicherweise, nur braucht man einfach mehr Zeit mit dem neuen Sound warm zu werden.

Passend zu diesem neuen Sound hat besonders Sänger Oliver Sykes an sich gearbeitet. Schon auf den beiden letzten Alben konnte seine Vokalarbeit überzeugen. Aber so abwechslungsreich wie auf „Sempiternal“ klang der Mittzwanziger noch nie. Selbst vor klarem Gesang scheut er nicht zurück. Hier sollte niemand große Arien erwarten, da Sykes dies meist nur in den ruhigen Passagen macht. Allerdings ist seine Stimme auch während er brüllt irgendwie etwas klarer und melodischer. Wirklich oft kreischt und growlt er leider nicht mehr.

„Sempiternal“ ist mit Abstand eines der mutigsten Alben der Szene. Ich kann mich nicht erinnern, dass andere Metalcore-Flagschiffe wie KILLSWITCH ENGAGE, PARKWAY DRIVE, AS I LAY DYING, UNEARTH oder dergleichen solch gewagte Experimente getätigt hätten. Alleine dafür verdienen BRING ME THE HORIZON extrem viel Respekt. Sicherlich wird das nicht mehr jeden Fan gefallen. Bei den Jüngern bleibt es offen, ob sie die Band wegen dem süßen Oli am Mikro weiter hören oder der neue Stil zu musikalisch ist. Insgesamt ist „Sempiternal“ aber eine klasse Platte.

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